Der internationale Kongress zu Fragen der Museographie 1934 in Madrid und das daraus entstandene Handbuch gelten heute nicht nur als Meilensteine der Museumswissenschaft und der Vereinheitlichung von Museumsstandards, sondern auch als Höhepunkte der Arbeit des 1926 als Unterorganisation des Völkerbunds gegründeten " Office international des musées ". Das von Frankreich dominierte Internationale Museumsamt mit Sitz in Paris hatte die bis 1914 von Museen im deutschsprachigen Raum ausgeübte Führungsrolle übernommen und institutionalisierte den transnationalen Dialog zwischen Museumsfachleuten aus Europa und der Welt. Auffallend ist, dass im Handbuch von 1934 die deutschen Museen zwar am zweithäufigsten genannt werden, die deutsche Delegation aber nur äußerst diskret an der Tagung teilnahm. Diese Zurückhaltung ist einerseits auf den politischen Wandel seit 1933 zurückzuführen, der den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund und die Entlassung von - dem Museumsamt nahestehenden - Kustoden wie Max Friedländer und Wilhelm Waetzoldt zur Folge hatte. Doch andererseits spiegelt sie die skeptische bis ablehnende Haltung vieler deutscher Museumsleiter wider, die in der internationalen Kooperation von Museumsfachleuten die Gefahr der " Rationalisierung " und in einer " Vereinheitlichung von Äußerlichkeiten " keinen Gewinn für ihre Einrichtungen sahen. In dem Beitrag wird die Diskrepanz zwischen der ambivalenten Selbstpositionierung deutscher Museumsdirektoren und -kuratoren in bzw. gegenüber internationalen Instanzen wie dem Museumsamt, und dem direkten oder indirekten Transfer von zuerst im Deutschland der Vor- und Zwischenkriegszeit umgesetzten Museumsreformen in andere Länder aufgezeigt und kritisch analysiert. Auch wird untersucht werden, ob möglicherweise auch umgekehrte Transferprozesse stattfanden, also die Rezeption, Kommunikation und Umsetzung von Methoden und Praktiken, die deutsche Kuratoren im Rahmen des Internationalen Museumsamts kennenlernten.