Im Zeitraum von 1951 bis 1956 war Deutschland einer der Themenschwerpunkte der Zeitschrift Les Temps modernes, die damals von Jean-Paul Sartre herausgegeben wurde und etwa zwanzig Artikel sowie literarische Erzählungen veröffentlichte. Diese Schwerpunktsetzung ist umso bemerkenswerter, als die Zeitschrift dem Großraum Europa im Allgemeinen nur wenig Interesse entgegenbrachte. Die Bedeutung, die die Temps modernes deutschen Themen beimaß, ist allerdings weniger der im Entstehen begriffenen deutsch-französischen Partnerschaft geschuldet, als dem Umstand, dass Deutschland Frankreichs Nachbarland war und zu einem der Hauptschauplätze des Kalten Krieges wurde. Auch die Tatsache, dass die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg noch allgegenwärtig war, spielte eine wichtige Rolle. Sowohl die französischen als auch die deutschen Mitarbeiter der monatlich erscheinenden Zeitschrift verfolgten die Frage der Entnazifizierung in der Bundesrepublik mit besonderer Anteilnahme. Die Problematik wurde von der Zeitschrift überwiegend im Hinblick auf die Wiederaufrüstung behandelt, die man als Bedrohung für eine mögliche Wiedervereinigung empfand. Nicht zuletzt interessieren sich die Temps modernes auch für die DDR, die als politischer Misserfolg dargestellt wird, obgleich nur wenige Informationen nach Frankreich gelangen, insbesondere über die Ereignisse vom Juni 1953.