Im Roman des 18. Jahrhunderts hat die Beschreibung eine ambivalente Stellung: Einerseits wird ihr unter vielfältigen literarischen und außerliterarischen Einflüssen zunehmend Raum gegeben, andererseits bleibt sie zahlreichen Einschränkungen unterworfen, die zwar überwiegend implizit bleiben, dadurch aber nicht weniger wirkmächtig sind. In der Poetik des Erzählens spielt die Beschreibung zu dieser Zeit eine vergleichsweise geringe Rolle. Umso präsenter ist hingegen die Reflexion über die eigene Beschreibungspraxis in den Romanen selbst, deren Erzähler äußerst eloquent und facettenreich Beschreibungen ankündigen, legitimieren, erläutern und interpretieren. Der Beitrag stellt die diversen Formen dieses dem Roman des 18. Jahrhunderts eigenen Phänomens in einer Typologie vor und erkundet seine Relevanz für die Romaninterpretation an zwei Beispielen, Sades Les Cent Vingt Journées de Sodome (verfasst ca. 1785) und Bellin de La Liborlières La Nuit anglaise (1799).