Die durch eine Rasierklinge verlängerte Lebenslinie des Corto Maltese fügt sich in die Reihe berühmter Repliken, die vor allem mit den Filmen Humphrey Bogarts verbunden sind. Seinen Namen verdankt er jedenfalls dem Filmtitel "The Maltese Falcon". Als er 1967 erstmals in "Una Ballata del mare salato" / "La Ballade de la mer salée" (dt.: "Die Südseeballade") an Planken gefesselt aus dem Meer gefischt wird, gibt er sich als ein mit der Welt des Verbrechens Vertrauter zu erkennen, der sich durch eine untrügliche Menschenkenntnis auszeichnet und den nächsten Zug eines bösartigen Widersachers vorauszuahnen scheint. Seine distanzierte Haltung zu den Menschen erlaubt es, in den schwierigsten Situationen den Überblick zu bewahren und mit ruhiger Hand die Gefahr abzuwenden. Obwohl in der Welt des Verbrechens und der Spionage zu Hause erweist er sich als Moralist, der im letzten Augenblick den Bedrohten hilft, ohne indes nach deren Anschauungen zu fragen. Corto Maltese, der Held von Hugo Pratts graphic-novel-Reihe, gehört zu den herausragenden Gestalten des literarischen Comics, eines Genres, dem in Frankreich als neuvième art eine besondere Anerkennung widerfährt. Und in Frankreich konnte - anders als in Italien - Corto Maltese einen generationenübergreifenden Kultstatus erlangen. Die bei Casterman herausgegebenen Neuauflagen der Alben unterstreichen das von seinem Autor geknüpfte Netz intertextueller Bezüge.